England

Die 12 schönsten Bibliotheken in britischen Herrenhäusern

Im 18. Jahrhundert waren Bücher ein Luxusgut. Gut gefüllte Buchregale waren daher sowohl ein Zeichen von hoher Bildung als auch von hohem Einkommen. Je mehr Bücher zu einem Statussymbol wurden, desto wichtiger war es, sie in einer erlesenen Privatbibliothek zur Schau zu stellen. So entwickelte sich die Bibliothek von einem Rückzugsraum für Studien zu einer Bühne, um Besucher zu empfangen.

Gelesen wurde natürlich weiterhin. Der gebildete Gentleman verfügte typischerweise über die Werke Shakespeares und Homers, in Leder gebundene Atlanten, zahlreiche Wörterbücher in den Sprachen der klassischen Antike, Reisebeschreibungen mit Kupferstichen aus Griechenland und Rom sowie religiöse Traktate und Geschichts- und Philosophiebücher. Romane fanden sich selten in den Regalen. im 18. Jahrhundert was der Roman das Schmuddelkind der Literatur – nur Frauen lasen so etwas.

Alle, die Bücher lieben, finde hier meine Liste der 12 schönsten Bibliotheken in britischen Herrenhäusern. Welche ist Ihr persönlicher Favorit?

Dunster Castle (Platz 12)

Hier lässt es sich lesen: In bequeme Sessel gekuschelt kann gleich eine ganze Regenwoche ausgesessen werden. Besitzer George Fownes Luttrell (1826–1910) und seine Frau Anne Elizabeth legten bei der Planung des Raumes sehr viel Wert auf Bequemlichkeit und neueste viktorianische Technologie. Handgemalte chinesische Tapete und Orientteppiche sorgen für den Luxusfaktor.

Architekt: Anthony Salvin

Dunster Castle, Dunster TA24 6SL, UK https://www.nationaltrust.org.uk/dunster-castle

Bowood House (Platz 11)

Die Leichtigkeit des Seins: In dieser Bibliothek wurde gefeiert, gesungen, gespielt und diskutiert. Zu den Besuchern, die hier unterhalten wurden, gehörten der französische Diplomat Talleyrand, der Philosoph Jeremy Bentham und der Staatssekretär Lord Macaulay. In Nachbarraum hielt Hauslehrer Joseph Priestley die Fahne der Wissenschaft hoch und entdeckte den Sauerstoff.

Architekt: C.R. Cockerell

Bowood House, Derry Hill, UK, http://www.bowood.org/bowood-house-gardens/

Chatsworth House (Platz 10)

Ewiges Lesen: Der 6. Herzog von Devonshire (1790–1858) kaufte um 1815 gleich mehrere komplette Buchsammlungen auf, um die beinahe endlosen Regalwände seiner Bibliothek zu füllen. Insgesamt finden sich hier 40.000 Bücher.

Architekt: Jeffry Wyatville

Chatsworth House, Bakewell DE45 1PP, UK, http://www.chatsworth.org/

Kingston Lacy (Platz 9)

Die Schlüssel zum Wissen: William John Bankes (1786 – 1855) begnügte sich nicht damit, über fremde Länder zu lesen. Er reiste in den Orient, erlebte tollkühne Abenteuer und wurde Mitbegründer der Ägyptologie. Seine Reiseaufzeichnungen und Mitbringsel sind heute noch in der Bibliothek zu finden.
William John Bankes sortierte seine Bücher übrigens nach ästhetischen Kriterien. Titel, Autor oder Thema spielten keine Rolle.

Architekt: Sir Roger Pratt

Kingston Lacy, Wimborne BH21 4EA, UK, https://www.nationaltrust.org.uk/kingston-lacy

Felbrigg Hall (Platz 8)

Bibliothek mit Geist: Besitzer William Wyndham (1750 – 18010) liebte seine Bücher so sehr, dass er auch post mortem immer wieder hierher zurückkehrt. Sein Geist sitzt im Sessel und liest, heißt es. Kann es ein schöneres Kompliment an eine Privatbibliothek geben?

Architekt: James Paine

Felbrigg Hall, Felbrigg, Norwich NR11 8PR, UK, https://www.nationaltrust.org.uk/felbrigg-hall-gardens-and-estate

Stourhead (Platz 7)

Im Jahr 1792 schon modern: Licht, Pastellgrün und weiße Regale lassen die Bibliothek des schüchternen Amateur-Gelehrten Sir Richard Colt Hoare (1758 –1838) luftig, hell und 200 Jahre jünger erscheinen. Schwerpunkte der Büchersammlung sind Lokalgeschichte und Topographie.

Architekten: Moulton und Atkinson

Stourhead, Stourton BA12 6QF, UK, https://www.nationaltrust.org.uk/stourhead

Shugborough Hall (Platz 6)

Stille und Studien: Die Geheimtür unterstreicht, dass Besitzer William Anson seine Bibliothek als Rückzugsort ansah. Beim Design mischen sich griechische Elemente mit elegantem Rokoko-Stuck zu einer besonders anheimelnden Atmosphäre. Perfekt für eine Tasse Tee zum Buch.

Shugborough Hall, Stafford ST17 0XB, UK, http://www.shugborough.org.uk/Homepage.aspx

Archtitekt: Thomas Wright

Kenwood House (Platz 5)

Zu schön zum Lesen: Apsiden, Säulen, Deckengemälde und Stuck locken das Auge auf Entdeckungstour. Da fällt es schwer, sich auf ein Buch zu konzentrieren. Der Besitzer dieser Pracht, der 1. Earl of Mansfield (1705 – 1793), war dennoch ein gelehrter Mann und der führende Jurist seiner Zeit.

Architekt: Robert Adam

Kenwood House, Hampstead Lane, Hampstead NW3 7JR, UK http://www.english-heritage.org.uk/visit/places/kenwood/

Saltram House (Platz 4)

Alt, Ehr und würdig: Mehr als 3.500 Bücher umfasst die fabelhafte Privatbibliothek der Earls of Morley. Zwei Drittel des Bestandes stammen aus der Zeit vor 1801, darunter Schätze aus dem 15. Jahrhundert.
Die Bibliothek hat inzwischen als Drehort Karriere gemacht. Sie diente als Bibliothek von Norland Park in der Verfilmung von Janes Austens Roman „Sense and Sensibility“.

Architekt: John Foulston

Saltram House, Plympton, Plymouth PL7 1UH, UK; https://www.nationaltrust.org.uk/saltram

Abbotsford (Platz 3)

Der Traum eines jeden Schriftstellers: Zurückgezogen von der Welt, geborgen im Reich der Bücher. Autor Sir Walter Scott (1771 – 1832) baute sich das ideale Reich zum Schreiben. Er war der erste, der historisch korrekte Romane schrieb, und dazu brauchte er die entsprechende Fachliteratur. Seine Sammlung von rund 9.000 Büchern umfasst die Themen Geschichte, Politik, Literatur, Wissenschaft und Hexerei. Eine vollständige Auflistung seiner Bibliothek finden Sie hier.

Architekt: William Atkinson und David Ramsay Hay

Abbotsford, Abbotsford, Melrose TD6 9BQ, UK, http://www.scottsabbotsford.com/

Holkham Hall (Platz 2)

Adel verpflichtet: Holkham Hall hat gleich 3 Bibliotheken. Die schönste ist die Long Library. Sie erstreckt sich über die gesamte Westfront des sogenannten Familienflügels, in dem der Earl of Leicester bis heute wohnt. Die Bibliothek hat sogar eine Geheimtür. Sie befindet sich links vom Kamin. Bedeutender ist allerdings die Manuskriptbibliothek, die zu den wichtigsten Privatsammlungen der Welt zählt und u.a. Manuskripte des Mittelalters und des Humanismus umfasst.

Architekt: William Kent

Holkham Hall, Holkham, Wells-next-the-Sea NR23 1AB, UK, http://www.holkham.co.uk/

Wimpole Hall (Platz 1)

Das blaue Wunder: Der 1. Earl of Hardwicke (1690 – 1764) hatte Mut, als er seine Buchregale blau streichen ließ. Mit den zartrosa Wänden und dem cremefarbenen Stuck ergibt dies einen atemberaubenden Effekt. Dazu kommt eine Sammlung von 10.000 Büchern.

Architekt: James Gibbs

Wimpole Hall, A1198, Royston, Arrington SG8 0BW, UK, https://www.nationaltrust.org.uk/wimpole-estate