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Optik, Big Data, Frauen: Revolution im Detektivbüro

Lange Zeit standen einem Detektiv für seine Arbeit drei Instrumente zur Verfügung: Ein Pferd, ein Notizbuch und eine Pistole. Alle dies änderte sich um 1860. Die Detektei Pinkerton führte als erste Agentur individuelle neue Techniken, Datensammlungen und ungewöhnliche Mitarbeiter ein. Sie setzten damit neue Standards für die Detektivarbeit.

Mit der Kamera gegen Verbrechen

Grundlage für einige der neuen Methoden waren neueste Techniken der damaligen Zeit: Um 1850 waren die ersten Kameras auch im Alltag einsatztauglich. Es dauerte nicht lange, bis die großen Apparate klein und tragbar wurden. Alsbald gelangten sogenannte Detektivkameras auf den Markt: Die handlichen Geräte umfassten mehrere Platten, waren leicht, einfach zu bedienen und ruhten stoßgeschützte sowie gut verborgen in einem Holzgehäuse, das wie ein Köfferchen aussah.

Zu den Herstellern dieser Detektivkameras gehörten die Firmen Eastman Dry Plate Company und die Optisch-astronomische Anstalt C. A. Steinheil & Söhne. Steinheil hatte bereits das Periskop erfunden und die Aplanat-Linse, die bestimmte Abbildungsfehler wie Asymmetrie- und Schärfefehler unterband.

Diese Detektivkamera aus dem Jahr 1891 umfasst 12 Platten und hat ein Steinheil-Objektiv.

Pinkerton-Detektive setzten Kameras ab 1866 ein, um die berüchtigte Reno-Bande zu fassen. Die Eisenbahnräuber konnten von einem verdeckten Ermittler in einer Kneipe fotografiert und später anhand der Bilder überführt werden.

Der erste weibliche Detektiv

Pinkerton war für seine revolutionären Methoden bekannt. Die Detektei war die erste, die weibliche Ermittler einsetzte. Sie stellten die 23-jährige Kate Warne ein, die an einem Tag im Jahr 1856 in Pinkertons Büro in Chicago spazierte und einen Job verlangte. Kate Warne wurde Undercover-Expertin. Sie gewann Informationen, in dem sich das Vertrauen der Ehefrauen von Verbrecher erarbeitete oder in Verkleidung auftrat, etwa als Wahrsagerin. Sie gehörte zu den besten Detektiven der Agentur.

„Big Data“ um 1870

Neu war auch die Datensammlung, die Pinkerton zu jedem Verdächtigen anlegte. In einer Akte wurden Fahndungsfoto, besondere Merkmale, Freunde und Bekannte, Spezialkenntnisse, Information über frühere Verhaftungen, und Zeitungsausschritte gesammelt. Diese konnten bei Bedarf ausgewertet werden, um sinnvolle Hinweise zu erlangen.

Pinkteron und Sherlock Holmes

Die Pinkerton-Agentur war im späten 19. Jahrhundert berühmt-berüchtigt. Arthur Conan Doyle lässt einen Pinkerton-Ermittler in seinem 4. Roman und Sherlock Holmes, Das Tal der Angst, in zentraler Rolle auftreten. Es geht in dem Roman „Das Tal der Angst“ um die Freimaurerloge 341, Vermissa in einem Kohlerevier in Pennsylvania/USA, mafiose Methoden und Mordanschläge. Conan Doyle ließ sich dabei von dem echten Pinkerton-Mann James McParland (1844 – 1919) inspirieren.

The Valley of Fear von Arthur Conan Doyle online lessen: http://www.gutenberg.org/files/3289/3289-h/3289-h.htm

 

Quellen:

Deutsches Museum München

10 Things You May Not Know About the Pinkertons, von Evan Andrews, „History Stories“, 26.10.2015

Pinkerton-Detektei Suche Zugräuber, zahle in Blei, von Johanna Lutteroth, „Der Spiegel“, 05.06.2013

 

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